C15:0: die Fettsäure für einen Euro, die Rapamycin Konkurrenz macht
Eine Fettsäure für etwa einen Euro am Tag, die ein Medikament für Tausende Euro überflüssig machen könnte
Rapamycin gilt in der Langlebigkeitsforschung als Referenzsubstanz: ein Immunsuppressivum, das in Tierversuchen die Lebensspanne verlängert, aber je nach Land und Dosierung zwischen 200 und 14.000 Dollar pro Jahr kostet. Eine 2023 im Fachjournal Nutrients veröffentlichte Studie stellt nun eine bemerkenswerte Alternative vor: Pentadecansäure (C15:0), eine ungeradzahlige gesättigte Fettsäure, erreichte in 24 von 24 getesteten Zellaktivitäten vergleichbare Ergebnisse wie Rapamycin. Die geschätzten Kosten: rund einen Euro pro Tag.
Was C15:0 auf zellulärer Ebene bewirkt
Eine Studie in Nature Scientific Reports kam zu dem Schluss, dass C15:0 sämtliche Kriterien einer essenziellen Fettsäure erfüllt. Die Substanz aktiviert AMPK (ein Enzym, das den Zellstoffwechsel reguliert) und hemmt gleichzeitig mTOR (einen Signalweg, der mit Zellalterung in Verbindung gebracht wird). Diese doppelte Wirkung ist bemerkenswert, weil genau dieses Zusammenspiel als einer der vielversprechendsten Ansätze in der Alterungsforschung gilt.
Die Zahlen im Vergleich
Der Kontrast zu herkömmlichen Fettsäure-Supplementen ist deutlich. In einer systematischen Analyse zeigte C15:0 Wirksamkeit in 36 Zellaktivitäten, während EPA (die bekannteste Omega-3-Fettsäure) nur in 12 aktiv war. Ein weiteres Detail: EPA wirkte in der Studie toxisch auf vier Zelltypen; C15:0 zeigte in keiner getesteten Konzentration toxische Effekte. Dazu kommen epidemiologische Daten: Eine Metaanalyse über 18 Kohortenstudien ergab, dass höhere C15:0-Spiegel im Blut mit 12 bis 25 Prozent weniger kardiovaskulären Ereignissen assoziiert waren.
Warum Ihre Großeltern mehr davon hatten
Die sogenannte Zellstabilitätshypothese liefert eine mögliche Erklärung für einen auffälligen Trend: Der durchschnittliche C15:0-Spiegel in der Bevölkerung ist in den vergangenen Jahrzehnten gesunken, während chronische Erkrankungen zugenommen haben. Die Forscher sehen den optimalen Bereich bei 0,4 bis 0,64 Prozent des Gesamtfettsäureprofils. Der Rückgang korreliert zeitlich mit der verbreiteten Empfehlung, gesättigte Fette zu meiden, und dem daraus resultierenden Wechsel zu fettarmen Milchprodukten.
Noch nicht offiziell als essenziell anerkannt
Trotz der wachsenden Evidenz ist C15:0 bislang nicht als essenzielle Fettsäure klassifiziert. Die Datenlage legt jedoch nahe, dass sich eine Überprüfung lohnen könnte. Wer seine Werte in den potenziell schützenden Bereich bringen möchte, hat zwei Optionen: Vollfett-Milchprodukte (Butter, Vollmilch, bestimmte Käsesorten) oder ein C15:0-Supplement, das im DACH-Raum je nach Anbieter für etwa einen Euro pro Tag erhältlich ist. Ob sich die Zellkulturergebnisse auf den Menschen übertragen lassen, müssen klinische Langzeitstudien noch bestätigen.
Quellen und Referenzen
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